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Integrationsstory: Automatisierung des Kurzfristhandels Strom

Energy Markets

Interview mit Denis Vincken

Stadtwerke stehen heute vor großen Herausforderungen bei der Bewirtschaftung ihrer Portfolios. Steigendes Preis-Volumen-Risiko sowie die Integration von Batterien und anderen Flexibilitäten zur Sicherung der Netzstabilität erfordern eine zunehmende Teilnahme am Kurzfristmarkt.

Der daraus entstehende Druck zur Automatisierung verlangt nach leistungsfähigen Systemen. Gleichzeitig darf neue Software nicht zur nächsten Komplexitätsschicht werden.

Im Gespräch mit Denis Vincken, Bereichsleiter Energiebeschaffung bei Badenova Energie, wird deutlich, wie eine Automatisierung des Kurzfristhandels effektiv durchgeführt werden kann und welche Faktoren bei der Integration in die bestehende Systemlandschaft den Unterschied gemacht haben.

FORRS: Wie würden Sie die aktuelle Rolle des Kurzfristhandels in Ihrer Gesamtstrategie zur Energiebeschaffung und Versorgungssicherheit beschreiben?

Denis Vincken: Wir wollen als Energieversorger jederzeit die Versorgungssicherheit unserer Privat-und Geschäftskunden gewährleisten. Die effiziente und resiliente Energiebeschaffung als Teil der Supply Chain hat für uns daher eine hohe Bedeutung. Wir sichern den Großteil unserer Energie langfristig und strukturiert. Zusätzlich handeln wir seit einigen Jahren verstärkt auf Spot- und Intraday-Märkten, um Prognoseabweichungen auszugleichen, den Bedarf an Ausgleichsenergie zu senken und so für Bilanzkreistreue und Versorgungssicherheit zu sorgen.

FORRS: Welche Herausforderungen haben Sie bei der Umstellung von manuellen Handelsprozessen auf eine vollautomatisierte 24/7-Vermarktung identifiziert?

Denis Vincken: In der Energiebeschaffung ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Systeme aufeinander abgestimmt sind und Schnittstellen nahtlos miteinander kommunizieren, um einen reibungslosen Datentransfer zu gewährleisten. Hinzu kommen hohe Anforderungen an die IT- und Datensicherheit: Unsere Daten müssen jederzeit vor einem unbefugten Zugriff Dritter geschützt sein und unsere IT-Systeme sollten stabil betrieben werden. Nicht zuletzt braucht es Ressourcen: Investitionen in neue Technologien und Infrastrukturen sowie eine frühe Kalkulation des erforderlichen Personalaufwands.

FORRS: Welche Risiken sehen Sie, wenn die Automatisierung und Datenintegration nicht konsequent umgesetzt werden – sowohl für die Wirtschaftlichkeit als auch für die Versorgungssicherheit?

Denis Vincken: Es gibt hier mehrere Risiken, die aufeinander aufbauen. Zum einen führen manuelle bzw. ineffiziente Prozesse zu Fehlern oder zu langsameren Reaktionszeiten und damit zu höheren Beschaffungskosten. Zum anderen führt eine unzureichende Datenintegration zu einer schlechteren Prognosegüte: In der Folge kann es zu Ungleichgewichten im Bilanzkreis kommen und damit zu höheren Kosten für Ausgleichsenergie sowie zu regulatorischen Risiken aufgrund nicht eingehaltener Bilanzkreisvorgaben. Auf lange Sicht entstehen durch eine mangelnde Umsetzung Wettbewerbsnachteile, weil Effizienz- und Ergebnispotenziale nicht effektiv genutzt werden können, um erforderliche Innovationen voranzutreiben.

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FORRSight Magazin
AUSGABE 02

Dieser Artikel erscheint in unserem FORRSight Magazine.

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